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Wirtschaft

Ziegen, Käse, Tomaten und natürlich der Tourismus

Die vielen heute teilweise stark verfallenen Windmühlen im Inland der Insel sind Überbleibsel aus einer Zeit in der man das Grundwasser mit Hilfe der Windkraft an die Oberfläche pumpte. Die Wasserknappheit der Insel machte die Menschen erfinderisch. Oft findet man zwischen Pflanzen schwarze Steine. Diese wärmen sich bei Tag so stark auf, dass sich in den kühleren Stunden der Nacht Kondenswasser an ihnen sammelt, das dann in der Erde versickert und den Pflanzen so zusätzlich Feuchtigkeit spendet. Dieses Prinzip wird heute noch im für Fuerteventura typischen Terrassenanbau genutzt. Vor allem Tomaten und einige genügsame Getreidesorten finden sich auf den landwirtschaftlichen Flächen im Inland der Insel. Auch wenn die Tomaten auf den ersten Blick nicht so ausaussehen: Sie sind dank der Sonne sehr saftig, aromatisch und beinah süß.

Ein weiterer Wirtschaftszweig Fuerteventuras ist die Milchwirtschaft. Vor allem die Ziegen-Haltung hat sich im Laufe der Zeit aufgrund der Anspruchslosigkeit der Tiere auf der Insel bewährt. Auf einen Inselbewohner kommt fast eine Ziege. Schätzungen zu Folge leben rund 50.000 Ziegen in Ställen und weitere 25.000 flanieren über die kargen steinigen Böden. Wer in den Süden fährt, wird auf den Schotterpisten mit ziemlicher Sicherheit von ein paar umherstreunernden Tieren geglotzt. Achten Sie bitte auf die Verkehrsschilder, die wie die Schilder daheim ausschauen, auch wenn kein Reh, sondern eine Ziege in der Regel verhältnismäßig spontan die Straße überquert. 

Jährlich findet auf Fuerteventura eine Landwirtschaftsmesse statt, auf der die ertragreichste Ziege prämiert wird. Dabei werden wahre Rekorde aufgestellt, die über der zehn Liter Marke liegen. Das ist für die manchesmal klapperdürren Tiere imposant, gibt eine deutschsprachige Ziege normalerweise nur ca. drei bis vier Liter Milch.

Die sehr gehaltvolle und fettige Ziegenmilch ist der Rohstoff für eine weitere Spezialität Fuerteventuras, der Ziegenkäse - oder auch Queso Majorero genannt. Die Einwohner Fuerteventuras lieben diesen Käse und bieten ihn in allen Reifegeraden an. Kombiniert mit Tomaten, traditionell nur mit Olivenöl, Salz und Pfeffer gewürzt.

Der wichtigste Wirtschaftszweig Fuerteventuras ist und bleibt allerdings der Tourismus. 1966 öffnete die erste Ferienanlage im Süden Fuerteventuras, das Casa Atlantica in Jandia vor den Toren Morro Jables. Das Gebäude existiert noch heute unter dem selben Namen. Nun ist es heute ein privates Mietshaus.

Ein stetiger Anstieg seit den 70zigern
In den 1970er Jahren stieg die Zahl der Touristen auf Fuerteventura erstmals stark an. Dies veränderte die Insel stark. NIcht nur zum guten. Den an den bis dahin beinah unbebauten Küsten entstanden Hotels und größere Ferienanlagen. Aus einstigen Fischerdörfern mit wenigen hundert Einwohnern sind heute attraktive Ferienziele geworden.

In den 1980er Jahren wurde der Tourismus endgültig zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor, Fuerteventuras und die Insel ein beliebtes Reiseziel für Urlauber aus ganz Europa. Schuld am nicht enden wollenden Besucherstrom in dieser Zeit sind die endlosen weißen Strände und das verführerisch stabile Wetter. Außerdem erhielten die Kanaren in dieser Zeit den Status einer autonomen Region. Spanien war bereits 1986 Mitglied der Europäischen Gemeinschaft, die Kanaren kamen erst 1990 dazu, bis heute mit dem mit dem Sonderprivileg einer Freihandelszone. So sind zum Beispiel auch heute Tabak und Alkohol wesentlich preiswerter auf den Kanaren als auf dem europäischen Festland. Darüber hinaus gelten auf den Kanarischen Inseln die Zollbestimmungen für Nicht-EU-Länder und es gibt nur eine sehr geringe Mehrwertsteuer.

Die 90er Jahre brachten nochmals einen Schub, in Fuerteventura begann ein regelrechter Bauboom. Ferienanlagen, groß wie Dörfer und Bettenburgen veränderten die Landschaft, der Pauschal-Toursimus machte es der heimischen Wirtschaft in den gewachsenen Ortschaften schwer. 2001 versuchte die Inselregierung die Überhitzung und teilweise in Gang gesetzte Verschandeldung der Landschaft einzudämmen. Das Ziel war die Zahl der Touristen auf maximal eine Million Besucher pro Jahr zu limitieren, um potenzielle Erstbesucher nicht mit überfüllten Stränden zu verschrecken. Fuerteventuras Reiz sollte erhalten bleiben. Die Regierung sorgte sich darüber hinaus um die knappen Trinkwasserressourcen. Hotelketten mißachteten bedauerlicherweise oft den verordneten Baustopp. Was die Regierung nicht schaffte, erledigte die Immobilienblase, die 2008 platzte. Investoren zogen sich aus Fuerteventura zurück, glücklicherweise hinterließen sie nur wenige Bauruinen.

Überwiegend menschenleer und wild
Das alles konnte und wird allerdings kaum den Reiz Fuerteventuras bedrohen. Zwischen Ortschaften und Hotelanlagen befindet sich Kilometer weit nichts als Natur pur, Wildnis, Dünen, Kakteen, Palmen und Strände. Um letztere überlaufen wirken zu lassen, müsste wahrscheinlich ganz Norddeutschland auf einmal sich entschliessen, nach Fuerteventura zu kommen. Das ist allerdings heute ohnehin nicht mehr möglich, die Inselregierung vergibt die Fluglizenzen, und ist sehr engagiert, den Tourismus in einen immer natürlicheren zu überführen.  

Bis heute kommt mehr als die Hälfte aller Touristen auf Fuerteventura aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Groß Britanien ist an Nummer vier. Die Faustregel ist: Briten im Norden, Deutschsprachige Touristen im Süden.

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