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Sagenumwogene Villa Winter

U-Boot-Bunker, Goldversteck oder doch nur Ausgeburt des Größenwahns

Kein Gebäude auf den sieben Kanarischen Inseln haben so viele Mythen und Fabeln hervorgebracht wie die Villa Winter im einsamen steinigen Süden Fuerteventuras. Oberhalb des endlosen traumhaften Strand von Cofete liegt ein verlassenes Haus, dessen Geschichte bis heute nicht genau bekannt ist.

Der Name Villa Winter bezieht sich auf den deutschen Elektro-Ingenieur Gustav Winter, der dieses Anwesen errichten lies. Dieser lebte ab Mitte der 1920er Jahre auf den Kanarischen Inseln. Er half die Elektrifizierung der Hauptstadt Gran Canarias auf Las Palmas zu planen. Gustav Winter war NSDAP-Mitglied und zog Mitte der 1930er Jahre in den Süden Fuerteventuras. Das ist sicher. Die Halbinsel Jandia war zu dieser Zeit kaum erschlossen. Und kaum erschlossen ist bitte wörtlich zu nehmen. Im Süden der Insel lebten etwa 100 Menschen lebten und ungefähr 450 Ziegen. Es gab keine wirkliche Infrastruktur und der größte Ort, die größte kleine Siedlung war Cofete. Morro Jable bestand damals aus noch weniger Hütten, vorwiegend eher einfache Fischerhütten. Das südliche Teil der Halbinsel Jandia wurde zu dieser Zeit von einem Adligen aus und von Lanzarote aus verwaltet. Es war durch einen Stacheldrahtzaun vom Rest der Insel getrennt.

Was Gustav Winter genau in diesem kargen Landstrich verschlug, ist bis heute nicht geklärt. Das nach ihm benannte Gebäude entstand Ende der 1940er Jahre. Diese Ungewissheit ist die Quelle für allerhand abenteuerliche Erklärungsversuche. So gibt es verschiedene Vermutungen über die Villa Winter: Franco soll sich hier aufgehalten haben, die Villa war als Zwischenstation für Nazis auf der Flucht nach Südamerika, wilde Partys für Funktionäre sollen stattgefunden haben und in der Literatur wurde unterhalb des Gebäudes eine Grotte mit einem geheimen U-Boot-Hafen hinzuerfunden, inklusive Kisten voller Beutegold. Fürsprecher erwähnen in diesem Zusammenhang das nahe der Villa errichtete Rollfeld für Flugzeuge. Fakt ist: Es gibt keinerlei Beweise für diese Vermutungen.

Wahrscheinlicher, aber ebenso wenig belegt ist die These, dass der Süden von Fuerteventura in den 1930er Jahren auf Winters Initiative hin kurzzeitig als geheimer deutscher Marinestützpunkt für den kommenden Krieg in Betracht gezogen wurde. Letztendlich allerdings die Nachbarinseln wegen der vorhandenen Infrastruktur das Rennen machten. Im Franco Spanien allerdings, das im Bürgerkrieg Hilfe von der deutschen Legion erhielt, gab es etliche Häfen, in denen deutsche Tanker lagen, die deutsche U-Boote mit Treibstoff und neuen Lebensmitteln versorgten. Diese Schiffe lagen auch im Hafen von Gran Canaria und Teneriffa.

Wahrscheinlicher ist auch eine andere Theorie, das die Verwalter des Südens schlicht die errichtete Villa nach Winter benannten. Bewiesen ist freilich auch diese nicht, und so bleibt genug in der Geschichte der Villa Winter im Ungewissen, um Stoff für neue Legenden zu liefern. Regelmässiges google'n lohnt sich.

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