War Fuerteventura in der Vergangenheit komplett mit Bäumen bedeckt?

Gab es einst üppige Wälder auf Fuerteventura?

Fuerteventura wird von einer kargen, eher wüstenartigen Landschaft geprägt. Diese gibt der Insel ihren Charme. Hartnäckig hält sich jedoch das Gerücht, dass Fuerteventura vor Jahrhunderten komplett bewaldet war. Kaum vorstellbar, wenn man heutzutage beim Landeanflug auf den Flughafen von Porto del Rosario aus dem Fenster guckt. Angeblich haben der Eroberer Bethencourt um 1400 noch eine dschungelartige Vegetation im Inselinneren vorgefunden. Auch andere Zeitzeugen berichten von undurchdringlichen Buschland und Wäldern. Aus der Legende der grünen Insel ist heute wenig bis nichts übriggeblieben. Vermutlich muss man sich jedoch den Wald, der vor rund 600 Jahren auf der Insel wuchs, sowieso anders als Deutsche Wälder vorstellen. Es herrschte eine Art Macchia mit einem dichten Bewuchs aus verschiedenen Pflanzen mit nur vereinzelten Bäumen dazwischen. Wer oder was genau für den Niedergang dieses Buschlandes verantwortlich war, lässt sich heute nicht mehr ganz klären. Wahrscheinlich ist eine Kombination aus unterschiedlichen Faktoren dafür verantwortlich, wie zum Beispiel übermäßige Beweidung durch Ziegen oder die Gewinnung von Brennholz. Insbesondere die vielen Kalköfen auf Fuerteventura benötigten eine Menge Holz. Relikte der alten Wälder sucht man leider vergeblich. Man kann jedoch einen vermutlich um die 2.000 Jahre alten Olivenbaum in Jandia bestaunen. Erwarten Sie aber nicht einen Mammutbaum! Die Ziegen haben auch hier ganze Arbeit geleistet und ihn in eine Art Bonsai verwandelt. Neue Triebe werden sofort von den gefräßigen Vierbeinern abgeknabbert und der Baum somit in seinem Wachstum behindert. Ein Schicksal, was er mit vielen anderen auf Fuerteventura teilt.

 

Natürliche Baumarten auf Fuerteventura

Einheimischen Baumarten kann man auf Fuerteventura an einer Hand abzählen. Man findet die natürlich vorkommenden Bäume auf Fuerteventura in den eher feuchten Tälern und kleinen Schluchten der Berge, wo die Wurzel das Grundwasser erreichen können. Hier sieht man dann zumeist Kanarische Tamarisken (Tamarix canariensis) und verschiedene Palmenarten. Zumeist wächst jedoch die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis), welche wohl schon von den Ureinwohnern, den Guanchen, aus Nordafrika eingeführt wurde. Tendenziell ist es rund um die Höhenlagen bei Betancuria in 700 m feuchter und etwas kühler als auf dem Rest der Insel. Diese Lage bietet gute Bedingungen für eine Bewaldung und es hat sich an vielen Stellen eine dichtere Buschlandschaft herausgebildet. Eine wichtige Rolle spielt dabei der feuchtigkeitsspendende Passatwind. An den Berghängen im Inselinneren bringt er Feuchtigkeit und lässt die Vegetation sprießen. Vermutlich fanden sich hier auch die legendären ehemaligen Wälder Fuerteventuras, welche aber wohl nach und nach als Brennholz verfeuert wurden. Zwei Baumarten werden Ihnen auf jeden Fall auf der Insel begegnen:

Die Kanarische Dattelpalme (Phoenix canariensis) - der häufigste Baum: Diese Palmenart hat sich von den Kanarischen Inseln in den gesamten Mittelmeerraum ausgebreitet. Die Früchte sind leider etwas holzig und ungenießbar. Schöne Exemplare mit den charakterischen, großen Palmenwedel findet sich auch rund um Betancuria.

Die Kanarische Tamariske (Tamarix canariensis) - der ungeliebte Baum: Die Farmer auf Fuerteventura sind keine großen Fans der Tamarisken. Diese wachsen nämlich am liebsten da, wo es salzhaltiges Grundwasser gibt. Morgens geben die Bäume das aufgenommene Salz über kleine Tropfen, die sich an den Blättern bilden wieder ab. Das führt jedoch dazu das die oberen Bodenschichten rund um die Tamarisken langsam versalzen.

 

Neue Wälder für Fuerteventura

Heute versucht die Umweltbehörde auf Fuerteventura in Wiederaufforstungsprojekten die Insel wieder zu begrünen. Die konkreten Ziele lauten dabei, die karge Vulkaninsel wieder zu begrünen, die einheimische Pflanzenwelt zu erhalten und die weitverbreitete Erosion an den Berghängen aufzuhalten. An einigen Stellen der Insel gibt es schon “neue” Wälder:

El Palmeral in Costa Calma: Fährt man durch Costa Calma, fällt sofort der eindrucksvolle Palmenwald rechts und links der Straße auf. Hier wurde auf 2 km Länge ein Palmenhain angelegt, der hauptsächlich aus Kasuarinen besteht. Diese eigentlich in Australien heimische Palmenart ist besonders resistent gegenüber Trockenheit und salzhaltige Böden. Sein Wasser erhält der 1989 gepflanzte “Wald” aus dem Abwasser der örtlichen Kläranlage.

El Pinar de Betancuria: Hier wurde vor 80 Jahren erstmal in einem Pilotprojekt angefangen Fuerteventura wieder zu bewalden. Man pflanzte in der Berglandschaft rund um Betancuria die Kanarische Kiefer (Pinus canarienses) im großen Stil an. Nicht vergleichbar mit unseren Wäldern, aber für die niederschlagsarme Insel schon beeindruckend. Das harte und sehr rötliche Kernholz wurde in der Vergangenheit für Holzdecken und Balkone genutzt. Dies erklärt vermutlich auch den Rückgang dieser Kiefernart. Mittlerweile ist der letzte Wald ein landschaftlich sehr reizvolles Wandergebiet mit hervorragenden Picknickmöglichkeiten.

 

FAZIT  Möchten Sie sich diesen herrlichen Kiefernwald mal genauer anschauen und mehr über die Wälder Fuerteventuras erfahren? Kein Problem: Der Tourguide Wolfgang bietet nämlich eine spannende Wanderung in den letzte Wald Fuerteventuras an und kann dabei einiges über die alte Legende der grünen Insel zu berichten.