Lajares oder auch der etwas andere Ort

Fuerteventura wird - wie alle Kanarischen Inseln - mit Pauschaltourismus gleichgesetzt. Das stimmt aber nicht ohne weiteres.

Sicher - die ein oder andere Bettenburg (zumeist Bausünden der 1970er und 1980er Jahre) findet sich hier auch, aber wenn man genauer hinguckt stimmt das Klischee nicht so richtig. Fuerteventura ist nämlich auch ein Ort der Aussteiger. Ein schönes Beispiel dafür bietet das sympathische Dorf Lajares. Abseits der ausgetretenen Touri-Pfade kommt hier selten Hektik auf und die kleinen Kunsthandwerksläden laden zum Bummeln ein. Wir stellen Ihnen das freundliche Dorf einmal genauer vor...

Windmühlen, Kunsthandwerk und Aussteiger

Hippie- und Aussteiger-Dörfer müssen nicht immer nur Hütten im Dschungel, Höhlen auf Gomera oder Hängematten auf Bali sein muss, dass sieht man besonders gut im Norden Fuerteventura, genauer in Lajares. Ungefähr auf halber Strecke zwischen den beliebten Urlaubsorte El Cotillo und Corralejo liegt das kleine Dorf am Rande des Lavafelder Malpais de Buyuyo. Schon von weitem fallen die beiden gut erhaltenen und aufwendig restaurierten Windmühlen auf. Zeugnisse der landwirtschaftlich geprägten Vergangenheit. Aufgrund der fruchtbaren Lavaböden wurde traditionell Getreide angebaut und - wie fast überall auf Fuerteventura - Ziegen gehalten. Heute sind davon nur noch ein paar Überreste zu sehen. Bekannt wurde Lajares durch die kleine Kunsthandwerkschule und dem Wirken von Dona Hernandez Lopez. Sie hat in den 1940er Jahren ein traditionelles Kunsthandwerk, die Calado Stickerei, auf den Kanarischen Inseln wieder populär gemacht und schließlich 1957 eine Stickereischule - Artesania Lajares - eröffnet. Diese besteht noch heute und im kleinen Souvenirladen kann man neben Stickereien auch Töpferware bekommen. Auf jeden Fall auch unterstützenswert ist der kleine Laden des Clean Ocean Projects. Die Betreiber des Shops, in dem es schöne Surfklamotten aus biologischer Baumwolle gibt, setzen sich für den Schutz der Meere ein und stellen sich der fortschreitenden Verschmutzung mit Plastikmüll entgegen. Ein Teil des Umsatzes des Shops fließt in Aktionen wie regelmäßige Strandsäuberungen entlang der Küste Fuerteventuras. Gleichzeitig lockt die Ruhe mittlerweile auch Yoga-Begeisterte an. Abseits des Massentourismus bietet die Weitläufigkeit der Landschaft rund um Lajares die perfekte Kulisse für Yoga-Retreats.

Surfshops ohne Küste?

Auf den ersten Blick erscheint der Surfshops in Lajares etwas deplatziert. Schließlich befindet sich das Dorf rund 8 Kilometer vom Atlantik entfernt. Der ehemalige Worldcup-Profi Jürgen Hönscheid betreibt hier schon seit 20 Jahren einen eigenen Laden. Auch seine begehrten Boards werden in Lajares gefertigt. Mittlerweile haben sich im beschaulichen Dorf eine Reihe von Surfschulen und Bretterverleiher angesiedelt. Die Gründe sind denkbar einfach: Die Mieten sind wesentlich niedriger als in den Tourismushochburgen El Cotillo und Correlejo. Gleichzeitig sitzt man - strategisch günstig - genau zwischen den besten Surfspots im Norden Fuerteventuras. Nur ein paar Minuten mit dem Auto bis zur nächsten Welle. Läuft diese mal nicht, gibt es genügend kleine, gemütliche Bars und Cafés - wie zum Beispiel die Cafeteria El Arco oder das Bistro La Canela - zum Treffen und Fachsimpeln. Wer in Lajares alle gesehen hat und noch die nähere Umgebung erkunden möchte, sollte auf jeden Fall Wanderschuhe einpacken. Das Dorf bietet einen guten Ausgangspunkt für Ausflüge in das große Lavafeld und zum Vulkan Calderon Hondo. Einer der schönsten Wanderwege der Insel beginnt mitten im Dorf und schon nach wenigen Meter taucht man in eine bizarre Landschaft aus ehemaligen Vulkankratern und Überresten von gewaltigen Lavaströmen ein. Obwohl der Calderon Hondo nur rund 280 m hoch ist, bietet sich ein spektakulärer Ausblick über die Nordspitze Fuerteventuras. Bitte für Wanderung festes Schuhwerk und genug Wasser einplanen!